Wer kennt das nicht. Man träumt und fährt um diese Jahreszeit von 50 cm Powder mit witzigen tree-runs im dichten Schneefall, um manchmal noch den ersten blue bird Tag mitzunehmen, von dem man noch mehrere Tage zehrt. Die Realität sieht momentan anders aus was den Schnee betrifft und ich ertappe mich faul zu werden. Also greife ich kurz entschlossen zum Hörer und melde mich bei meinem Kumpel und Weltklasse-Mountainbiker Roland Stauder in Niederdorf/Sexten zum Beine vertreten an.
Nach 2 Stunden Fahrt sammle ich Roli in Niederdorf ein und wir steuern unseren Ausgangspunkt zum ersten Gipfel, den 2840m hohen Dürrenstein an. Es ist knusprig kalt und keine Wolke am Himmel. 1400hm Aufstieg liegen vor uns und Roli geht es wie immer sehr gemütlich im Plaudertempo an, welches bei Normals schnell zur Schnappatmung führt. Es geht in einem schattigen Tal mit lichtem Baumbestand die ersten 600hm mäßig bergan. Die Szenerie wechselt schon bald in hochalpines Gelände. Somit wird es auch steiler und ich merke wie die Hangabtriebskraft immer mehr an meinem Rucksack zieht. Zum Glück habe ich den schwereren Coomba im Auto gelassen und auf meine Allzweckwaffe Mt. Baker vertraut. Roli (wieso hab ich dem nicht den schweren Ski gegeben?!), der hier bekannt ist wie Hansi Hinterseer in Kitzbühel muss bei fast jedem überholten Tourengeher einen kurzen Plausch halten. Gut für mich, ich kann mir wieder einige Meter Luft verschaffen.
Die letzten 400hm legt man in einem gewaltigen Kar zurück. Leider hat eine riesige Nassschneelawine vor einigen Tagen das gesamte Kar durchspült, was die Abfahrtsmöglichkeiten sehr einschränkt.
In Gipfelnähe eröffnen sich dem geschulten Auge des Geländeskifahrers viele interessante Möglichkeiten von kurzen, steilen und zum Teil noch nie befahrenen Rinnen. Ich beschließe kurzerhand nochmals hierher kommen zu müssen um diese Aufgabe mit meinen Amigos anzugehen. Oben am Gipfel angelangt blickt man in die imposanten Bergkulissen der Drei Zinnen und der Trofana.
Roli eröffnet mir gleich das Programm für den Nachmittag und zeigt auf einen gegenüberliegenden Gipfel mit dem allseits beliebten Namen Rosskopf mit 2560m. Damit sich meine Anreise auch wirklich gelohnt hat, will ich dem Gastgeber seinen Wunsch nicht ausschlagen. Wobei das nur die halbe Wahrheit ist, denn ich will mich nicht schon nach einem Aufstieg geschlagen geben.
Nach kurzer Gipfelrast erfolgt die Abfahrt entlang der Aufstiegsspur. In den nordseitigen Hangausrichtungen findet man sogar etwas uralt Powder und einige Schwünge lang kann man es ordentlich paffen lassen. Mit dem erreichen der Baumgrenze geht es im kupiertem Gelände wieder zurück zum Auto. Damit die Systeme erst gar nicht wieder herunterfahren können, geht es sofort mit Skischuhen ins Auto (nicht empfehlenswert, aber möglich) und wir steuern ins nächste Seitental zum neuen Ausgangspunkt.
Mittlerweile ist es kurz nach 13 Uhr und es ist schon fast frühlingshaft warm geworden. Wir stellen das Auto auf etwa 1300m Seehöhe ab, um die ersten 600hm im mäßig steilen Wald zurückzulegen. Wir gelangen an ein Hochplateau mit einem typischen Südtiroler Gasthaus und mir schwebt mittlerweile eine Radlermass auf der Sonnenterasse vor. Roland zieht aber stoisch daran vorbei und doziert über die Möglichkeiten des Höhentrainings auf der angrenzenden Skatingloipe. Die lebende Langlauflegende Ole Einar Björndalen, der um die Ecke wohnt holt sich hier seinen letzten Schliff. Bei mir ist mittlerweile fast Schluss mit lustig und ich laufe schon auf Notstrom. Aber ich wollte es ja nicht anders.
Die letzten 300hm steigt man auf einer riesigen schiefen Ebene zum Gipfel auf. Der Schnee ist brutal windgepresst und harschig, was eine ambitionierte und wenig genussvolle Abfahrt erahnen lässt. Oben angekommen bin ich einmal mehr dem besonderen Charme der Dolomiten erlegen. Solch bizarre Felsformationen findet man eben nur hier.
Ich lasse den Blick schweifen und entdecke in allen Blickrichtungen spektakuläre Lines die offensichtlich auch mit schweren Freerideplanken zu erreichen sind. Kurzhand vereinbare ich mit Roli nochmals ein Guiding im Frühjahr. Man müsse nur noch den Rücktransport von den jeweiligen Routen mit einem Geländewagen organisieren. Das sollte aber nicht das Problem sein.

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